Projekt Auge

Grundschüler lernen Welt der Blinden kennen

2012/2013

Ein Kind zeigt Frau Oberberger ein selbst mitgebrachtes Bilderbuch in

Sofie Oberberger, seit dem 30. Lebensjahr erblindet, bei den 3. Klassen

 

Beim Unterrichtsthema „Auge" ist es naturgemäß wichtig, dass die Schüler auch erfahren, wie Menschen zurecht kommen, die nicht sehen können. Deshalb haben die Lehrkräfte der drei 3. Klassen der Grundschule Geiselhöring das Angebot des Blindenschutzbundes genutzt, und Frau Sofie Oberberger aus Saulburg mit ihrem Führhund Caruso in ihre Klassen eingeladen. Das Leben als Blinder in einer Welt von Sehenden ist nicht einfach, das macht Sofie Oberberger, seit 35 Jahren in Folge einer seltenen Augenkrankheit blind und ehrenamtlich als Helferin und Ratgeberin für Blinde aktiv, den Grundschülern klar. Auch wenn sie sich in der eigenen Wohnung sehr gut alleine zurecht findet, ist sie außerhalb auf fremde Hilfe angewiesen. Diese Hilfe bekommt sie in erster Linie von ihrem Führhund Caruso, einem zweijährigen Labrador, der seit fünf Monaten ihr ständiger Begleiter ist und natürlich auch in der Klasse dabei war.  Gerade im Straßenverkehr übernimmt Caruso das Sehen für sie.  „Natürlich muss ich ihm sagen, wo ich hin möchte", sagt Sofie Oberberger, „außer wenn ich meine Freundin besuchen möchte. Zu ihr findet Caruso den Weg schon allein." Nicht umsonst würden Hund und Mensch als Gespann bezeichnet. Während der Blinde das Ziel vorgibt und den Hund mit Richtungsanweisungen anleitet, muss der Vierbeiner dafür sorgen, dass der Blinde das Ziel sicher erreicht. Wichtig sei dabei vor allem, dass der Hund in seiner Konzentration nicht abgelenkt wird, was beim noch jungen Caruso nicht immer ganz einfach wäre, wie man bei ihm inmitten von Kindern auch leicht beobachten konnte. Man merkte es ihm an, wie gerne er mit den Kindern spielen würde oder sich von ihnen kraulen lassen möchte.

 

Die Schüler hatten viele Fragen vorbereitet, mit denen sie erfahren wollten, wie Frau Oberberger die Anforderungen des Alltags als Blinde meistere. Viele Hilfsmittel wie der weiße Blindenstock, das Farberkennungsgerät, die sprechende Armbanduhr, die sprechende Küchenwaage, der Vorlesecomputer oder auch die Hörzeitung des Straubinger Tagblattes erleichtern ihr den Alltag, in dem sie seit dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren ganz alleine zurecht kommen müsse. Ganz wichtig sei hier natürlich, dass sie überall strenge Ordnung halte. Dazu gehöre nicht zuletzt, dass sie die Geldscheine in immer das gleiche Fach in ihrer Geldbörse stecke. Münzen erkenne sie leichter, denn jede von ihnen habe einen anderen Rand. Die Blindenschrift beherrsche sie nur so weit, dass sie sich ganz wichtige Dinge, wie Telefonnummern, Adressen oder Sachen für den Einkaufszettel notieren könne. Am Schluss wollten die Kinder von ihrem Gast noch wissen, ob die im Unterricht erlernten Verhaltensweisen Sehender gegenüber blinden Menschen alle richtig seien. Stellvertretend für ihre Kollegen Stefanie Grauham und Dietmar Englbrecht der Parallelklassen überreichte Sigrid Winklmaier an Sofie Oberberger eine süße Spezialität aus Geiselhöring.