Wieso flutscht das Ei von selbst in die Flasche?

Fünft- und Sechstklässler begeistert von Experimentierstunden mit Wissenschaftsreferentin

Drei besonders interessante Unterrichtsstunden jeweils erlebten die Fünft- und Sechstklässler der Geiselhöringer Mittelschule am Freitagvormittag. Unter Anleitung der Biologin und wissenschaftlichen Referentin Dr. Ruth Jesse, Mitarbeiterin bei der „Initiative Junge Forscherinnen und Forscher" in Würzburg, bekamen sie Gelegenheit, in beeindruckenden, aber absolut ungefährlichen Experimenten und in Eigentätigkeit bestimmte Naturgesetzmäßigkeiten herauszufinden. Mit großer Begeisterung machten die Buben und Mädchen dabei mit und gewannen so manche überraschende Erkenntnis.

Die Initiative Junge Forscherinnen und Forscher (IJF) ist eine junge und dynamische Bildungsinitiative, die in Bayern und künftig auch in weiteren Bundesländern Kindergarten- und Schulkinder, Betreuungspersonal und Lehrkräfte aller Schularten für Technik und Zukunftstechnologien begeistern möchte. Als gemeinnütziger Verein engagieren sich die IJF-Mitglieder für die Bildung von Kindern und Jugendlichen im Bereich der Zukunftstechnologien. Mit den Angeboten, wie Experimentiertage, Wettbewerbe, Fortbildungsmaßnahmen sowie Materialien und Anregungen für die Praxis, werden Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche entlang der gesamten Bildungskette unterstützt und gefördert, indem Technologien insbesondere für Kinder und Jugendliche begreifbar gemacht werden, damit sie heute ihre Begeisterung dafür entdecken können – und als Experten von morgen die Nase vorn haben.

Dr. Ruth Jesse, die alle notwendigen Experimentiermaterialen mitgebracht hatte, erläuterte zu Beginn die Arbeits- und Vorgehensweise von Forschern, wenn sie über Versuche neue Erkenntnisse gewinnen oder Gesetzmäßigkeiten beweisen wollten. Dabei spiele der Dreierschritt Vermutung – Experiment – Erkenntnis eine wichtige Rolle. In einem fünfteiligen und kindgemäß gestalteten Versuchszirkel konnten die Buben und Mädchen dann die Isolierkraft von verschiedenen Dämmstoffen unter dem Motto „Wärmedämmung nach Eisbärenart" untersuchen, Erkenntnisse über Verdunstungskälte („Das verrückte Thermometer") gewinnen, den Lotuseffekt („Abperlen" von Wassertropfen) an verrußten Glasplättchen („Vertragen sich Wasser und Ruß?") beobachten, die Auswirkungen der Körperform auf die Fortbewegungsgeschwindigkeit unter Wasser („Welcher Holzkörper gewinnt?") feststellen und das Rückstoßprinzip („Raketenantrieb aus der Urzeit") mithilfe eines Luftballons erleben.

Gerade letzteres Experiment beeindruckte die Schulkinder besonders. Denn das Rückstoßprinzip spielt auch bei manchen Tieren eine Rolle. So haben Tintenfische und Quallen einen „urzeitlichen Antrieb". Sie saugen eine größere Menge Wasser ein und stoßen es dann ruckartig wieder aus. Dadurch werden sie im Wasser ein Stück in die entgegengesetzte Richtung katapultiert. Das wird als „Rückstoß" bezeichnet. Auf diese Weise können sie pfeilschnell hervorschießen, wenn sie Beute entdeckt haben, oder flüchten, wenn Gefahr droht. Tintenfische gibt es schon seit vielen Millionen Jahren. Ohne diesen uralten Rückstoß-Antrieb wäre die Erforschung des Weltalls nicht möglich. Raketen können sich im Weltall nicht durch Propeller fortbewegen, da es dort keine Luft gibt. Daher wird der Rückstoß für den Abschuss von Raketen genutzt: Der gezündete Treibstoff erzeugt am unteren Teil der Rakete einen hohen Druck. Dieser Druck wirkt in Richtung des Bodens. Die Rakete wird durch diesen Druck in die entgegengesetzte Richtung geschossen, also in das Weltall.

Ein anderes Experiment, das Dr. Ruth Jesse vorführte, brachte die Buben und Mädchen ebenfalls zu gewaltigem Erstaunen. Ein weichgekochtes, geschältes Hühnerei ließ die Referentin – ohne es zu drücken oder zu berühren – langsam in eine vorher erwärmte Glasflasche flutschen. Das Geheimnis: Die sich danach abkühlende Luft in der Flasche „saugt" durch den entstehenden Unterdruck das Ei durch den Flaschenhals ein. Wird die auf den Kopf gestellte Flasche anschließend mit einem Föhn wiederum erwärmt, schiebt der entstehende Überdruck das Ei wieder durch den Flaschenhals heraus.

Zum Schluss der Experimentierstunden gab es für die jungen Forscherinnen und Forscher einen Langzeitversuch als „Hausaufgabe". Unter dem Motto „Das Kartoffellabyrinth" sollen sie in den nächsten Wochen das Wachstum der Triebe einer Kartoffel in einem mit Papiergängen ausgestalteten Schuhkarton beobachten. Ob die Triebe dann tatsächlich den Weg zum einzigen Lichtloch auf der gegenüberliegenden Schachtelseite finden werden, können die Buben und Mädchen verfolgen. Fotos von ihren „Forschungsarbeiten" dürfen sie dann per Mail an Dr. Ruth Jesse übermitteln.