Sozialkompetenz, ein Grundbaustein zur Schulfähigkeit

2014/2015

Info-Abend für die Eltern der künftigen Schulanfänger – Lehrer und Erzieherinnen gaben wichtige Ratschläge zur Schulfähigkeit eines Kindes

Geiselhöring. (hs) Zum gemeinsamen Informationsabend des Kindergartens und der Grundschule am Montagabend konnte Rektor Ludwig Paßreiter viele interessierte Eltern der künftigen Schulanfänger in der Aula der Grund- und Mittelschule begrüßen. Zur Frage: „Wann ist ein Kind schulfähig?" gaben die Grundschullehrerinnen Yvonne Brunner-Dölling und Anna Mittermeier, Claudia Wittmann vom MSD (Mobilen Sonderpädagogischen Dienst) sowie die Leiterin des städtischen Kindergartens Monika Maier zusammen mit Erzieherin Silvia Troppmann nützliche Ratschläge und Tipps an die Hand.
Im ersten Referat legte Rektor Ludwig Paßreiter die rechtlichen Grundlagen über das Einschulungsalter dar, in denen festgelegt ist, dass Kinder, die im Zeitraum vom 1.10.2008 bis 30.9.2009 geboren sind, im kommenden Schuljahr regulär schulpflichtig sind. Dazu kommen bereits einmal zurückgestellte Kinder bzw. Kinder, die nach dem 1.10.2007 bis zum 30.9.2008 geboren wurden und schließlich solche Kinder, die zwischen dem 1.10. bis 31.12.2009 geboren sind und deren Eltern einen Antrag auf vorzeitige Aufnahme gestellt haben. „Theoretisch ergebe dies für die kommenden ersten Klassen eine Schülerzahl, wo man hoffen könne", so Paßreiter, „dass wir drei Anfangsklassen bilden können". Als zukünftige Erstklasslehrerinnen gaben nun Anna Mittermeier gemeinsam mit ihrer Kollegin und Kooperationsbeauftragten des staatlichen Schulamtes, Yvonne Brunner-Dölling, den Eltern wichtige Entscheidungshilfen und Beurteilungskriterien über die Schulfähigkeit ihres Kindes an die Hand.
Körperliche Entwicklung und geistige Fähigkeiten
Dabei bezog sich Lehrerin Brunner-Dölling zuerst einmal auf die geistigen und körperlichen Voraussetzungen zur Schulfähigkeit. Für die Eltern brachte sie die Antwort auf diese Frage auf den einfachen Nenner: „Schulfähig ist ihr Kind dann, wenn sie ihm zutrauen, dass es sich bis Weihnachten vom Kindergartenkind zum Schulkind entwickle." Im Gesetzestext des Kultusministeriums laute dies: „Ein Kind gilt als schulfähig, wenn es körperlich, geistig und sozial so weit entwickelt ist, dass es am Unterricht erfolgreich teilnehmen kann." Als weitere Entscheidungsmerkmale nannte die Expertin die sprachliche Entwicklung des Kindes, die Ausprägung der Grob- und Feinmotorik, ein bestimmtes Maß an Neugier, Wahrnehmungs-, Merk- und Konzentrationsfähigkeit. Dabei warnte sie aber vor übertriebener Ängstlichkeit der Eltern bei evtl. vorhandenen Defiziten. Viel mehr legte sie ihnen ans Herz: „Helfen sie mit, dass ihr Kind Freude am Lernen findet und gern in die Schule geht!"
Sozialkompetenz
Ein wichtiges Indiz der Schulfähigkeit sei nach den Worten von Lehrerin Anna Mittermeier die Sozialkompetenz. Da das Kind mit der Einschulung Mitglied in einem neuen sozialen Netz werde, müsse es auch seinen Platz in dieser neuen sozialen Umgebung finden. Um dies zu schaffen, müsse es auf die im Kindergarten erworbenen Basiskompetenzen wie Selbstkontrolle, Selbstständigkeit, Kooperation, Fähigkeit zur Konfliktlösung, soziales Lernen aufbauen können. Da zu den Anforderungen in der Schule gleichzeitig auch die Erwartungen der Eltern deutlich steigen, sei für die Kinder ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein wichtig. Ein selbstbewusstes Kind zeige keine unangemessene Ängstlichkeit und gebe nach Misserfolgen nicht gleich auf. All das gehöre zur sozialen Schulreife, die nach Mittermeiers Worten ein wichtiger Grundpfeiler für den Schulerfolg ist. Nun gaben die Grundschullehrerinnen den Eltern nützliche Ratschläge zur persönlichen Förderung des eigenen Kindes an die Hand, wobei sie aber vorausschickten: „Nehmen sie keinen Unterricht vorweg, sondern beobachten sie ihr Kind im Hinblick auf die genannten Gesichtspunkte zur Schulreife objektiv und unterstützen sie ihr Kind bei festgestellten Schwächen!"
Was ist MSD?
Nun hatte Claudia Wittmann vom Mobilen Sonderpädagogischen Dienst des Förderzentrums in Mallersdorf Gelegenheit zur persönlichen Vorstellung und zu Darstellung ihrer Tätigkeit an zwei Tagen an der Geiselhöringer Schule in den drei Kooperationsklassen und im Kindergarten. Darüber hinaus könne sie von Eltern oder Lehrern zur Behebung festgestellter Defizite um Rat gefragt werden. Nach ihrer Aussage sei Zurückstellung alleine wenig hilfreich, weit aus besser für Kinder mit vorhandenen Defiziten wären die Nutzung von angebotenen Fördermöglichkeiten oder die Anmeldung in einer Schulvorbereitenden Einrichtung, wie sie in Grafentraubach bestehe.

Informationsbogen
Im vierten Referat des Info-Abends begründete die Kindergartenleiterin Monika Maier die Bedeutung der Kooperation von Kindergarten und Schule, die dem gegenseitigen Austausch von Informationen diene. Der seit 2008 Bayern weit eingeführte Informationsbogen werde in den kommenden Wochen von den Erzieherinnen mit den Eltern der Vorschulkinder gemeinsam ausgefüllt und informiere die aufnehmende Schule über die Stärken bzw. die Schwächen des Kindes. So können die Lehrkräfte vom ersten Schultag an besser auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes eingehen. Der Informationsbogen sollte von den Eltern auf freiwilliger Basis bei der Schuleinschreibung an die Grundschule übergeben werden, müsse aber von dieser nach der 1. Klasse verpflichtend vernichtet werden.
Zum Schluss ging die Kooperationsbeauftragte des Kindergartens, Erzieherin Silvia Troppmann, auf die verschiedenen Formen und Aktionen der Kooperation zwischen Kindergarten und Schule ein. Neben bereits erfolgten kleineren Besuchen des Schulhauses ist im Mai ein offizieller Schulhausbesuch mit einer Schulhausrallye vorgesehen. Mit kleinen Aufgaben sollen die Kinder die Personen und Örtlichkeiten im Schulgebäude kennen lernen,. In einer weiteren Aktion dürfen die Vorschulkinder dann bei ihrer zukünftigen Lehrerin einen Schulvormittag erleben. Selbstverständlich sind auch Gegenbesuche der Lehrer in den Vorschulgruppen sowie ein gemeinsamer Elternabend eingeplant,.
Nun hatten die Eltern Gelegenheit Fragen zu stellen. Hierbei ging es besonders um die Möglichkeit der Einrichtung einer gebundenen Ganztagsklasse, sofern von den Eltern genügend Anmeldungen vorhanden wären.
Abschließend bedankte sich Rektor Paßreiter bei der Leiterin des Städtischen Kindergartens, Monika Meier, für die hervorragende Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen. Sein Dank galt außerdem den drei Referentinnen aus seinem eigenen Kollegium und vom MSD, sowie bei der Kooperationsbeauftragten des Kindergartens für ihre sehr interessanten und fachkundigen Ausführungen.