Neue Medien – neue Gefahren

Kriminalhauptkommissar informierte Kinder über richtigen Umgang mit Medien

2016/2017

Cem Karakaya ist Experte für Internetkriminalität bei der Münchner Polizei. Der Kriminalhauptkommissar scherzt gerne und schont dabei auch sich selbst nicht. Vermutlich könnte er auch als Alleinunterhalter Geld verdienen. Die Themen, über die Karakaya beruflich spricht, sind allerdings ziemlich ernst. Sein Spezialgebiet sind Gefahren im Internet. Kinder der Geiselhöringer Schule informierte er darüber.

„Wie Erwachsene sind auch die Kinder dank der neuen Technologien vielfach im Internet unterwegs, entweder zu Hause mit dem PC oder unterwegs mit ihren Handys und Smartphones, sogar mit ihren Spielkonsolen. Da Eltern nicht immer ihre Kinder überprüfen und verfolgen können, ist es sehr wichtig, dass die Kinder aufgeklärt werden, was nicht sehr einfach ist. Medienkompetenz muss gelernt werden," stellte Cem Karakaya zu Anfang seiner Ausführungen fest. „Internet, Computerspiele und soziale Netzwerke darf man nicht generell verteufeln. Wie in jedem Bereich gibt es freilich bei neuen Medien Grenzen und Gefahren. Diese sollen durch Medienkompetenz erkannt werden."

Unter lebhafter Zustimmung der Schüler meinte der Referent scherzend, dass es für Kinder im Bereich der Nutzung neuer Medien drei große Ängste gebe: wenig W-Lan, kein Internet und keine Möglichkeit, Akkus aufzuladen. Anhand eines kurzen Filmes machte er dann deutlich, dass Kinder und Jugendliche ständig und bei allen nur möglichen Gelegenheiten ihre Handys oder Smartphons benutzten. Viele nähmen daher Ereignisse gar nicht mehr bewusst war, weil ihre Aufmerksamkeit nur den Geräten gelte. Dies sei vor allem im Straßenverkehr eine große Gefahr, weil beispielsweise durch die Stöpsel der Kopfhörer im Ohr Warnsignale nicht mehr wahrgenommen werden könnten. Und sogar beim Erstellen von Selfis passierten immer wieder tödliche Unfälle oder Stürze. In diesem Zusammenhang brachte Cem Karakaya ein Zitat von Nobelpreisträger Albert Einstein: „Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft. Auf der Welt wird es nur noch eine Generation aus Idioten geben."

Der Referent wies danach auch auf mögliche Haltungsschäden hin, die der häufige Gebrauch von Smartphons zur Folge haben kann. Der Grund: Wer beim Stehen und Gehen ständig aufs Smartphone starrt, überbeansprucht seine Nackenmuskulatur. Auch eine Überanstrengung der Augen sei ebenso möglich wie Schäden an Finger- und Handgelenken durch ständig einseitige Bewegungsabläufe beim Betätigen der Geräte.

Eindringlich stellte der Kriminalhauptkommissar den Schülern auch rechtliche Grenzen bei der Nutzung neuer Medien, etwa des Smartphons, dar. So könne man aus Datenschutzgründen nicht ohne Weiteres Fotos von Personen ins Netz stellen. Heimlich gemachte Aufnahmen seien ebenfalls verboten. Geschehe dies dennoch, drohten Geld- beziehungsweise Freiheitsstrafen. Bei sogenannten „Hoax-Meldungen", die immer wieder im Netz verschickt würden, sei größte Vorsicht geboten. Als Hoax, englisch für Jux, Scherz, Schabernack oder auch Schwindel, werde eine Falschmeldung bezeichnet, die beispielsweise in sozialen Medien verbreitet würden und eine Art Kettenbrief darstellten, der an andere weitergeleitet werden müsse, um kein Unglück zu erleiden. Die Meldungen erzeugten bei manchen Empfängern größte Ängste und seien mit Viren oder Trojanern verseucht, die unter anderem Adressbücher weitergäben.

Auch auf das Thema „Strahlenbelastung" durch Smartphons ging der Referent ein. Die Geräte seien als kleine Computer nicht nur für Viren anfällig, sondern erzeugten eine nicht unerhebliche elektromagnetische Strahlung. Darum sollten sie nicht in Hosentaschen getragen werden, weil möglicherweise dadurch Geschlechtsdrüsen geschädigt werden. Gar um ein Dreifaches steige die Strahlenbelastung dieser Geräte, wenn sie in Zügen oder Autos genutzt würden. „Da ist es fast wie in der Mikrowelle," so der Referent.

Besonders verantwortungsbewusst sollte man auch beim Snapchat vorgehen. Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst zur Nutzung auf Smartphones und Tablets. Der Dienst ermöglicht es, Fotos, die nur eine bestimmte Anzahl von Sekunden sichtbar sind und sich dann selbst „zerstören", an Freunde zu versenden. Es sei jedoch mit relativ einfachen Mitteln möglich, versendete Dateien innerhalb der Ordnerstruktur des genutzten Gerätes zu finden und wiederherzustellen. Hier gelte auch der Satz: „Einmal im Netz, immer im Netz."

Bei der bewussten Verbreitung von Fotos von sich in sozialen Netzwerken wie Facebook, WhatsApp oder Instagram gelte dieser genauso. Anhand einer Filmspielszene machte Cem Karakaya deutlich, wie negativ sich in jugendlichem Übermut ins Netz gestellte Bilder sich bei der späteren Bewerbung um einen Arbeitsplatz auswirken können. Nicht selten informierten sich nämlich Personalchefs vorab mit Hilfe von speziellen Suchprogrammen über das Privatleben von Stellenbewerbern.