Das „normale“ Leben eines Blinden

2016/2017

Auf Initiative der GSE-Lehrerin Elke Schneider wurde der blinde Ralph Zimmerhansl aus Straubing mit seiner Ehefrau Irene Janker und mit seiner Blindenführhündin Zinga in die Klassen 5a und 5b der Mittelschule in Geiselhöring eingeladen. Nachdem die Klassen in GSE/Sozialkunde im Unterricht in letzter Zeit das Thema „Menschen mit Behinderungen" behandelt hatten, fand die Lehrerin, Frau Schneider, es eine gute Idee, dass die Kinder auch einmal einen blinden Menschen kennenlernen und ihm Fragen stellen können, die sie interessieren. Ralph Zimmerhansl kam dieser Einladung gerne nach und am vergangenen Montag war es dann soweit.
Als Ralph Zimmerhansl um 9.50 Uhr mit seinem Blindenführhund Zinga das Klassenzimmer mit den 37 Schülern betrat, war es erst einmal ganz ruhig im Raum. Die Kinder beobachteten den Vorgang ganz genau. Als erstes wurden die Gäste von einer Schülerin persönlich begrüßt. Dann stellte Ralph Zimmerhansl seine Frau und seinen Hund vor. Er ließ Zinga erst einmal im Führgeschirr, dass die Kinder einen Blindenführhund im Dienst sehen konnten und er erklärte den Kindern auch, dass ein Blindenführhund im Geschirr nicht gestreichelt und abgelenkt werden darf (weder durch Menschen noch durch andere Hunde), weil Zinga in dieser Zeit hochkonzentriert arbeitet muss.
Ralph Zimmerhansl erzählte dann den Kindern, dass er nicht blind zur Welt gekommen ist, sondern 1991 durch einen Autounfall erblindet ist. Er war Beifahrer in dem Auto, der Fahrer fuhr viel zu schnell und er war nicht angeschnallt. Nach dem schweren Autounfall war Herr Z. erst einmal lange im Krankenhaus und musste dann erst sein Leben wieder völlig anders organisieren. Er ging auf ein Berufsförderungwerk für Blinde und Sehbehinderte und musste dort die Punktschrift und auch andere lebenspraktische Fertigkeiten wieder neu erlernen. Als Beispiel nannte er '"Essen lernen als Blinder", und zwar so, dass alles auf dem Teller bleibt und nicht über den ganzen Tisch verteilt ist. Auch musste er lernen, wie man den weißen Blindenlangstock richtig einsetzt zum Fortbewegen. Bezüglich der Braille- bzw. Punktschrift gab er 2 Zeitschriften für Blinde als Anschauungsmaterial durch die Reihen und er gab auch Punktschriftalphabete für jedes Kind an die Lehrerinnen ab. Auch eine Armbanduhr für Blinde zum Abtasten hatte er dabei und ließ sie in der Klasse herum geben, dass die Kinder das auch mal selber Abtasten konnten. Sehr interessiert waren die Schüler auch an dem iPhone von Herrn Zimmerhansl, das dieser dank der Voice-over-Funktion auch als Blinder bedienen kann und auch demonstrierte, wie das mit Handy mit Sprachausgabe abläuft. In der zweiten Stunde seines Besuchs in der Klasse beantwortete Ralph Zimmerhansl dann die vielen Fragen, die die Schüler erarbeitet hatten. Die Fragen waren z. B.: „Ist die Blindheit schlimm für sie?" oder „Was würden Sie als erstes tun, wenn Sie wieder sehen könnten?". Das Interesse der Kinder war riesengroß und die Kinder staunten auch nicht schlecht, als Herr Zimmerhansl der Lehrerin einen USB-Stick gab, auf dem sich kleine selbstgedrehte Videosequenzen befanden, die man mit Hilfe eines Beamers an der weißen Wand im Klassenzimmer gut anschauen konnte. In den kleinen Filmchen war zu sehen, wie Zinga im Führgeschirr ihrem Blinden eine Ampel anzeigt oder wie sie einen Zebrastreifen anzeigt. Auch war zu sehen, wie sie Herrn Zimmerhansl am Bahnhof in Straubing sicher zur Treppe bringt und ihm am Bahnsteig mit der Schnauze eine Sitzgelegenheit anzeigt. Am meisten beeindruckte die Videosequenz, auf der zu sehen war, wie Herr Zimmerhansl Zuhause an seinem Computer arbeitet, nämlich mit Sprachausgabe und Braillezeile. Man konnte auch hören, in welcher Geschwindigkeit Ralph Zimmerhansl die Sprachausgabe eingestellt hat für sein tägliches Arbeiten am PC, wo die Kinder kein Wort mehr verstanden haben. Nach 2 Stunden war der Schulbesuch dann zu Ende und die Kinder und die beiden Lehrerinnen, Frau Schneider und Frau Dobner, verabschiedeten den Besuch ganz herzlich und überreichten als Dankeschön einen Gutschein.