Durchlässigkeit als besonderes Merkmal

2016/2017

So wie man die verschiedenen Gipfel eines Bergmassivs auf unterschiedlich langen und unterschiedlich schwierigen Wegen erklimmen kann, so bietet das bayerische Schulsystem vielfältige Möglichkeiten, die gewünschten Bildungsziele zu erreichen. Den Eltern der Drittklässler an den Grundschulen Geiselhöring und Perkam wurde dies vor Kurzem bei einem Informationsabend vor Augen geführt. Hierbei verwiesen die Beratungslehrerinnen Simona Feldkamp und Margit Candussio sowie Rektor Ludwig Paßreiter vor allem auf die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems, in dem es keinen Abschluss ohne Anschluss gibt.

Schulleiter Ludwig Paßreiter wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, dass die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn der jetzigen Drittklässler in einem Jahr – also im Laufe der 4. Jahrgangsstufe – getroffen werden müsse. Dies gelte nicht nur für das Gymnasium, sondern seit etwa 15 Jahren auch für die Realschule und die Mittelschule. Leider entstehe dadurch schon in der Grundschule ein nicht geringer Druck auf die Kinder. So müssten in der 4. Jahrgangsstufe über zwanzig schriftliche Leistungsnachweise von diesen erbracht werden. Ein Übriges tue nicht selten, wenn auch oft verborgen, die Erwartungshaltung der Eltern, die ihr Kind auf einem möglichst angesehenen Bildungsweg sehen möchten, in der Absicht, ihm dadurch für seine berufliche Zukunft etwas Gutes zu tun. Der Informationsabend solle den Erziehungsberechtigten zwar einen Überblick über das bayerische Schulsystem und seine Durchlässigkeit verschaffen, er sei aber kein „Übertrittsabend", an dem die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn der Kinder getroffen werden müsste. Dafür bliebe noch ein gutes Jahr Zeit.

Zahlreiche Schularten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Anforderungen, Zielen und Geschwindigkeiten gibt es in Bayern und diese stellten die Lehrerin Simona Feldkamp und Studienrätin GS Margit Candussio als zuständige Beratungslehrerinnen dann auch jeweils in ihren Grundzügen vor. Die für das Kind geeignete Schulart müssten die Eltern im Mai nächsten Jahres auswählen und damit den individuellen Weg in der Schulbildung finden. Dabei seien vor allem das aktuelle Leistungsvermögen des Kindes, die persönlichen Ziele und das Anforderungsprofil beziehungsweise die Schwerpunkte der Schule zu beachten.

Im bayerischen Schulsystem gibt es nach den Worten der Beratungslehrerinnen keinen Abschluss ohne Anschluss; das heißt, jeder Schulabschluss eröffnet Chancen auf weitere Bildungswege. Selbst ein Hauptschüler kann über die berufliche Bildung und entsprechende weitere Schulen mit Einsatz und Durchhaltevermögen die Berechtigung zu einem Studium erlangen. Sogar nach erfolgreich abgelegter Meisterprüfung in einem Beruf kann man an einer Fachhochschule beispielsweise ein Ingenieurstudium absolvieren. So sagt die Statistik, dass derzeit 41 Prozent der Studierenden an Universitäten und Hochschulen diese Berechtigung über berufliche Schulen erworben haben und nicht über das Gymnasium.

Als wesentliches Merkmal des bayerischen Schulsystems nannte die Referentinnen dessen Durchlässigkeit. Anhand von Schaubildern zeigten sie auf, welche Abschlüsse und Anschlüsse in den verschiedenen Schularten möglich sind. Zur Erleichterung an den Übergängen sind dabei individuelle Fördermaßnahmen an Mittel- und Realschulen, Intensivierungsstunden und Einführungsklassen an Gymnasien sowie Brückenangebote und Vorklassen an Fach- oder Berufsoberschule vorgesehen. Erste Ansprechpartner für Fragen zur Schullaufbahn eines Kindes sind die Klassenlehrkräfte der Grundschule. Sie kennen das Lernverhalten des Kindes und seine Begabung aus dem täglichen Umgang miteinander und schätzen diese aufgrund ihrer Berufserfahrung und ihrer Vergleichsmöglichkeiten objektiver ein als die Eltern oft selber. Des Weiteren beraten die sogenannten Lotsen im Übertrittsverfahren, die Beratungsfachkräfte der jeweiligen Schule, der Schulpsychologe und die staatliche Schulberatungsstelle.

Rektor Ludwig Paßreiter erläuterte abschließend das spezielle Bildungsangebot der Mittelschule. Lehrplan, Fächerangebot und Unterrichtsmethoden kämen durch lebensnahes und berufsbezogenes Lernen den Interessen, Lernweisen und Begabungen der Mittelschüler entgegen und gäben der Schulart ihr eigenes Profil. Sie biete nach erfolgreichem Besuch der neunten Klasse den normalen Mittelschulabschluss oder den qualifizierenden Mittelschulabschluss („Quali") nach bestandener Prüfung am Ende der neunten Klasse. Auf der anderen Seite können leistungsstarke Schüler im Mittleren-Reife-Zug (M-Zug) ab der Jahrgangsstufe sieben den mittleren Schulabschluss erwerben. Er verleiht unter anderem die Berechtigung, Berufliche Oberschulen, zum Beispiel die Fachoberschule (FOS), zu besuchen – und ist damit gegenüber dem Wirtschafts- und Realschulabschluss gleichwertig.

Der „Qualifizierte Bildungsabschluss" (Quabi) ist ein mittlerer Schulabschluss, den ehemalige Schüler der Mittelschule mit qualifizierendem Abschluss der Mittelschule und einem überdurchschnittlichen Berufsabschluss erhalten können. Er wird von der Mittelschule ausgestellt. Voraussetzungen sind ein Zeugnis mit mindestens Gesamtnote 3,0 und der Nachweis von mindestens ausreichenden Englischkenntnissen.