Geborgenheit in der Familie mindert seelische Erkrankungen

2016/2017

Der ehemalige Leiter der Schulabteilung an der Regierung von Niederbayern, Kurt Neudert aus Essenbach, referierte beim gemeinsamen Elternabend der Elternbeiräte der GS und MS Geiselhöring zum Thema "Was Kinder seelisch krank macht." Nach seiner Begrüßung der Zuhörer gab Elternbeiratsvorsitzender Markus Grahammer einen Einblick in den beruflichen Werdegang des Referenten, der noch vor wenigen Jahren die Abteilung Schule im Regierungsbezirk Niederbayern leitete. Der erfahrene Pädagoge gliederte seinen mit vielen Bespielen gewürzten Vortrag in vier Themenbreiche: Istsituation unserer Kinder, Erkennungszeichen seelischer Störungen, Mögliche Ursachen und Hilfreiche Ratschläge zur Behebung.

Ritalin kein Allheilmittel
Mit zwei provokativen Fragen "Sind unsere Kinder seelisch krank?" bzw. " ADHS die neue Volkskrankheit?" versuchte Kurt Neudert seine Zuhörer zur aktiven Mitarbeit zu motivieren. Laut der Aussage amtlicher Statistiken seien etwa 20 % der Kinder in Deutschland seelisch krank, werde ADHS als neue Volkskrankheit bezeichnet, erhöhe sich die medikamentöse Verordnung von Ritalin und werde eine Steigerung jugendlicher Depressionen insbesondere bei Mädchen amtlich festgestellt. Mit aktuellen Presseberichten belegte der Referent die Tatsache, dass die deutschen Eltern immer öfter für ihre Kinder die Verordnung von Psychofarmakas beanspruchen. Hilfreicher gegen psychische Erkrankungen sei nach seiner Meinung die Geborgenheit in der Familie. Obwohl Neudert den Kinderkrippen bescheinigte, phantastische Arbeit zu leisten, könnten sie die Mutter nicht ersetzen. Optimal für die Entwicklung des Kindes sei es, vorausgesetzt dass es irgendwie finanziell zu stemmen sei, wenn die Mutter die ersten drei Lebensjahre bei ihrem Kind bleibe. Nur so könne sie erste Anzeichen einer seelischen Fehlentwicklung wie hektische und nervöse Unruhe, körperliche Auffälligkeit wie Nägelbeißen, Schlafstörungen, Rückzug und Vereinsamung erkennen. Eltern, die diese Signale wahrnehmen , müssen sie als Hilferufe erkennen und sich verstärkt für ihr Kind Zeit nehmen.
Besser als jedes Medikament: Die 3 Z
Kurt Neudert brachte es mit den "drei Z's" auf den ganz einfachen Nenner: Zeit – Zuwendung – Zärtlichkeit. Wichtig dabei sei besonders die Pflege des Familienlebens mit bestimmten Ritualen, wobei auch die Übernahme altersgemäßer Aufgaben durch die Kinder zum Wachsen von persönlicher Verantwortung führen. Vor allem müssen die Eltern ihren Kindern ein liebevolles Umfeld schaffen, worin aber auch klare Regeln und Grenzen eingeschlossen seien. Sollten die Eltern ernstzunehmende Alarmzeichen wahrnehmen, gelte es, den Rat von Fachleuten wie Schul- und Jugendpsychologen in Anspruch zu nehmen. Kurt Neudert verstand es ausgezeichnet, seine Ausführungen immer wieder mit persönlichen Erlebnissen aus seiner langen pädagogischen Arbeit mit Schülern zu würzen. Abschließend wünschte er den Eltern, dass es ihnen gelingen möge, ihre Kinder zu seelisch gesunden Kindern mit starker Persönlichkeit und eigener Meinung zu erziehen. Er schloss seinen Vortrag mit einem Zitat von Erich Kästner "Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen." Elternberatsvorsitzender Markus Grahammer bedankte sich im Namen der anwesenden Eltern beim Referenten für die wertvollen Anregungen