Dunkelziffer ist sehr hoch

„Sei mutig: SAG NEIN!"

Die Jugendsozialarbeit an Schule (JaS) nahmen ihr 10-jähriges Bestehen zum Anlass, sich mit dem Thema, sexueller Missbrauch" auseinander zu setzen. Das gemeinsame Präventionsprojekt, welches an den meisten Schulen im Landkreis, in verschiedenen Klassen, durchgeführt wird, gliedert sich in zwei Teile.
Der erste Teil besteht aus dem im Zeitungsartikel beschriebenen Elternabend, welcher an drei Mittelschulen abgehalten wird.

Elterninfoabend zum Thema sexueller Missbrauch

 

Auf großes Interesse stieß der Informationsabend, der in der Aula der Grund- und Mittelschule für den Schulverbund Geiselhöring stattfand. Es ging um das Thema des sexuellen Missbrauchs. Kriminalhauptkommissarin Maria Plötz vom Polizeipräsidium Niederbayern hielt den Vortrag.

 

Sie nannte zunächst Daten zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Ein Viertel davon geschieht an Kindern. Betroffen sind Buben zu 30 und Mädchen zu 70 Prozent. Selbst Kleinkinder werden Opfer. Missbrauch ereignet sich in allen sozialen Schichten; 85 Prozent der Täter sind Männer. 

„Als sexueller Missbrauch gilt jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen und Buben gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können. Der Täter oder die Täterin nutzt dabei seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen": Mit diesen Worten zitierte die Referentin eine Definition des Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundes.In etwa 70 Prozent der Missbrauchsfälle bestehe zwischen Täter und Opfer eine Bekanntschaft oder sogar eine Verwandtschaft. Daher gebe es auch eine sehr hohe Dunkelziffer.Die Annäherung zwischen Täter und Opfer entwickelt sich erfahrungsgemäß oft sehr langsam, indem Vertrauen aufgebaut wird. Dabei können beispielsweise Süßigkeiten als Geschenke eine Rolle spielen oder die Erlaubnis, mehr fernsehen zu dürfen. Alle Täter nutzen und schaffen Gelegenheit für den Missbrauch. Dabei lernt der Täter, wie weit er gehen kann und verpflichtet das Opfer zur Geheimhaltung. „Auf eine angezeigte Tat kommen wohl an die 20 unentdeckte", sagte die Referentin, die anschließend auf mögliche Erkennungsmerkmale für sexuellen Missbrauch an einem Kind einging.

Mögliche Hinweise könnten Verletzungen im Genitalbereich, sexualisiertes Verhalten, Verhaltensauffälligkeiten, oder körperliche wie psychosomatische Symptome sein. „Verhaltensänderungen können aber durchaus auch andere Gründe haben. Es gibt keine spezifischen Kennzeichen."Es sei wichtig, im Verdachtsfall mit dem Kind ins Gespräch zu kommen. Dafür müsse man sich genügend Zeit nehmen, die Erlaubnis geben, auch sogenannte „blöde Geheimnisse" auszusprechen, vorformulierte Aussagen – Suggestivfragen – und Warum-Fragen vermeiden, um nicht Schuldgefühle beim Kind zu fördern.

„Als Eltern sollten Sie die Kinder dabei unterstützen und ermutigen, dass es richtig ist, den eigenen Gefühlen zu vertrauen." Weitere Hinweise, die den Kindern gegeben werden sollten, sei etwa, nicht in eine fremde Wohnung mitzugehen oder in ein Auto zu steigen, im Ernstfall laut und deutlich „Nein, das will ich nicht!" zu rufen, wegzulaufen versuchen und Fremde mit „Sie" anzureden, um zu zeigen, dass kein vertrautes Verhältnis besteht. Auch sollten Kinder die Notrufnummer wissen.

 

Der zweite Teil ist die Projektarbeit mit den Schülern. Dabei möchten Sozialpädagogen junge Menschen in ihrer Persönlichkeit stärken, damit sie sich auch in schwierigen Situationen selbstbewusst behaupten können. Eine starke Persönlichkeit ist wichtig, damit man Verantwortung für sich selbst und damit auch den eigenen Körper übernehmen kann. Ein weiterer Schwerpunkt werden Kinderrechte sein. Es ist wichtig zu wissen, dass auch Kinder und Jugendliche Recht haben und diese auch eingehalten werden müssen. Wenn Kinder berührt werden, obwohl sie das nicht möchten, können sie lernen, dem Anderen Grenzen zu setzen. Zudem wird über gute und schlechte Geheimnisse gesprochen.

 

Die Projektarbeit wird stets mit zwei Sozialpädagogen durchgeführt und endet im Dezember 2018.